Das beste Training für Langlebigkeit: Kraft und Ausdauer erklärt

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Transcript

00:00:00Eines der typischen Merkmale des Alterns ist der Rückgang der schnell zuckenden Muskelfasern. Diese sind
00:00:05unglaublich wichtig. Kann ich das durch Training ändern? Absolut. Das können Sie, allerdings müssen Sie
00:00:09mehr tun als nur zu laufen. Sie brauchen eine Kombination aus allgemeinem Krafttraining und Ausdauer.
00:00:15Bei diesen Leuten, die buchstäblich 80 oder 90 Jahre alt waren, waren Herz-Kreislauf-Funktion, Ruhepuls
00:00:20und Blutdruck deutlich gesünder. Dieser Wert entspricht etwa dem VO2max eines durchschnittlichen
00:00:25Studenten. Wenn ein Säbelzahntiger ins Zimmer käme oder sie jagen würde,
00:00:30hätten die jungen Männer wahrscheinlich eher dran glauben müssen als die 90-Jährigen.
00:00:33Wenn Sie Ihre Gesundheit und allgemeine Funktionalität langfristig maximieren wollen, benötigen Sie
00:00:42eine Kombination aus breitem Krafttraining und breiter Ausdauer. Ich kann dazu
00:00:46ein paar Studien erwähnen, die ich durchgeführt habe. Eine davon fand in Stockholm statt, wo wir
00:00:50mit einer Gruppe von Skilangläufern in ihren 80ern und 90ern gearbeitet haben. Das waren
00:00:54Wettbewerber aus den 1940er und 50er Jahren, die über diesen gesamten Zeitraum aktiv geblieben sind.
00:00:59Wir sprechen also von 50 bis 60 aufeinanderfolgenden Wettkampfjahren. Das sind fitte 80- bis 90-Jährige,
00:01:05die allein leben. Wir haben sie mit einer gleichaltrigen Gruppe in den USA verglichen,
00:01:10die keinen Sport trieb. Wir wollten herausfinden, wie diese lebenslangen Ausdauersportler
00:01:15körperlich beschaffen sind. Also haben wir eine Reihe von VO2max-Tests mit ihnen gemacht,
00:01:19genauso wie mit der Vergleichsgruppe in Amerika. Der Standardwert von etwa 18
00:01:24gilt als die „Grenze der Unabhängigkeit“. Wenn Ihr VO2max unter 18 Milliliter pro Kilogramm
00:01:29pro Minute liegt, ist es sehr schwer, allein zu leben. Die Fitness ist dann so gering, dass man
00:01:34wahrscheinlich Hilfe im Alltag oder einen Platz in einem Pflegeheim benötigt.
00:01:37Mit einem VO2max von 20, 21 oder 22 liegt man zwar noch über dieser Grenze,
00:01:43aber direkt an der Schwelle. Und wir stellten fest, dass unsere Probanden in Amerika im Schnitt
00:01:49genau bei diesem Wert lagen. Wenn sie also eine Erkältung bekamen oder etwas anderes passierte,
00:01:54wodurch sie etwas Fitness verloren, fielen sie unter die Grenze und wären wohl pflegebedürftig geworden.
00:01:58Bei den Stockholmer Skilangläufern lag der Gruppendurchschnitt hingegen
00:02:03eher bei 35 bis 38. Dieser Wert entspricht in etwa dem VO2max-Wert eines normalen
00:02:11College-Studenten. Wenn also bei diesen 80- oder 90-Jährigen ein Säbelzahntiger auftauchen
00:02:16und sie jagen würde, hätten die jungen Männer wohl eher verloren als die 90-Jährigen.
00:02:21Aber hier kommt der Haken: Bisher habe ich nur über den VO2max gesprochen. Was ich verschwiegen habe,
00:02:26ist ihre Beinkraft und Funktionalität. In diesem Bereich waren sie keineswegs besser aufgestellt
00:02:31als ihre Altersgenossen, die gar keinen Sport trieben. Das hat sehr deutlich gezeigt,
00:02:36dass zwar VO2max, Herz-Kreislauf-Funktion, Ruhepuls und Blutdruck
00:02:41deutlich besser sind als bei Nicht-Sportlern – und es ist absolut erwiesen, dass diese Art
00:02:46von Training extrem wichtig für die Prävention chronischer Krankheiten ist –, aber
00:02:51sie reicht für die ganzheitliche Gesundheit nicht aus, da sie kaum etwas für die Beinkraft bewirkt.
00:02:56Auch für andere Gesundheitsmarker, die – wie wir noch sehen werden – Sterblichkeit
00:03:01und Krankheitsrisiko am stärksten vorhersagen, wird hier Potenzial verschenkt.
00:03:05Man könnte zwar sagen, sie seien 80 und es gehe ihnen gut, aber in diesen Bereichen eben nicht.
00:03:10In einer Folgestudie haben wir uns dann eineiige Zwillinge angesehen. Das ist
00:03:17das perfekte wissenschaftliche Experiment. Eineiige Zwillinge haben die exakt
00:03:22gleiche DNA. Eine Eizelle wurde befruchtet, hat sich geteilt, und daraus entstanden zwei Menschen
00:03:28mit identischem Erbgut. So konnten wir der Frage nachgehen: Waren diese Skilangläufer
00:03:32vielleicht einfach genetische Ausnahmen? Die Genetik spielt immer eine Rolle, aber wie stark?
00:03:38Hier hatten wir nun das Szenario: Wir haben eine Kopie eines Menschen mit identischer DNA.
00:03:41Jeder Unterschied, den wir in ihrer Physiologie feststellen würden, müsste also
00:03:45auf ihren Lebensstil zurückzuführen sein. Und das war interessant: Treiben sie Sport?
00:03:51Nun, einer von ihnen war sein Leben lang Ausdauersportler – Läufer, Radfahrer, Schwimmer, Ironman.
00:03:56Und der andere? Überhaupt nicht. Wir holten sie also ins Labor,
00:04:00wollten uns aber nicht nur ein System ansehen, sondern alles. Wir nahmen Stuhlproben,
00:04:05Blut, machten Sprungkraft-Tests, Maximalkraft-Tests, MRTs der Muskelmasse,
00:04:12VO2max-Tests, Effizienzprüfungen, Gentests, IQ-Tests und psychologische Profile.
00:04:17Wir wollten alles wissen, um herauszufinden, in welchen Punkten sich die Zwillinge
00:04:20unterschieden und vor allem: Wie groß war der Unterschied? Es war also wieder
00:04:26ein klassisches Beispiel: Reines Ausdauertraining gegen – ich glaube, er war Lkw-Fahrer.
00:04:31Beide waren bis zum Schulabschluss mit 18 aktiv, danach hörte einer auf. Als wir sie testeten,
00:04:35waren sie Mitte 50. Wir hatten also einen Unterschied von etwa 35 Jahren.
00:04:38Bei den Tests zeigte sich ein fast identisches Bild wie in der Schweden-Studie.
00:04:43Der sportlich aktive Zwilling war signifikant besser bei den Blutfettwerten, beim Ruhepuls,
00:04:49Blutdruck, VO2max und ähnlichen Markern. Hochinteressant war jedoch,
00:04:54was dazwischen lag. Zunächst einmal war die gesamte Muskelmasse fast identisch –
00:05:00bis aufs Gramm genau im Rahmen der Messgenauigkeit eines DEXA-Scans. Der Nicht-Sportler
00:05:06war allerdings etwas korpulenter. Der Gewichtsunterschied war also fast ausschließlich
00:05:11auf Körperfett zurückzuführen. Das hat niemanden überrascht, dass der Sportler definierter war,
00:05:16obwohl sich die reine Muskelmasse überhaupt nicht unterschied. Aber bei den
00:05:20funktionellen Tests und der Muskelqualität – also etwa der Frage, wie viel Fett im
00:05:24Gewebe eingelagert ist – war die Muskelqualität beim Sportler nicht unbedingt besser.
00:05:30In den Leistungstests und beim Kraftvergleich schnitt sogar der Nicht-Sportler besser ab.
00:05:36Wir hatten also das gleiche Ergebnis wie in Schweden, diesmal bei eineiigen Zwillingen. Es wurde
00:05:42überdeutlich: Wenn man optimale Gesundheit anstrebt, reicht es nicht, sich nur auf eine Säule
00:05:47zu verlassen. Kann man diese Werte ändern? Ja, und zwar gewaltig. Diese Dinge
00:05:52reagieren sehr stark, ungeachtet der Genetik. Die Gene geben zwar den Startpunkt vor –
00:05:56der Nicht-Sportler war für sein Alter auch so recht gesund. Er war Mitte 50,
00:06:01machte keinen Sport, achtete nicht auf die Ernährung und war dennoch in ordentlicher Verfassung.
00:06:05Aber wer wirklich Fortschritte und hohe Funktionalität will, muss mehr tun als nur zu laufen.
00:06:12Dasselbe gilt übrigens auch für reines Krafttraining. Ich möchte nicht den Eindruck erwecken,
00:06:17dass Ausdauersport nichts bringt. In beiden Studien schnitten diese Leute bei den Werten,
00:06:22die für die Lebenserwartung entscheidend sind – VO2max usw. – viel besser ab.
00:06:27Aber für die Kraft reicht es eben nicht. Wir haben uns auch die Muskelfaser-Physiologie
00:06:34angesehen, was sehr aufschlussreich ist. Generell gibt es zwei Arten von Fasern:
00:06:39schnell zuckende und langsam zuckende. Ein Merkmal des Alterns ist der gezielte
00:06:44Abbau der schnell zuckenden Fasern. Das liegt daran, dass sie nur bei Aktivitäten mit hohem
00:06:49Krafteinsatz aktiviert werden. Die langsamen Fasern nutzt man bei fast jeder Alltagstätigkeit,
00:06:53weshalb sie erhalten bleiben. Die schnellen Fasern verschwinden, wenn sie nicht durch hohe Kraft
00:06:58gefordert werden. Das ist ein Problem. Denn wenn man die Beinkraft betrachtet,
00:07:02oder die Fähigkeit, sich bei einem Sturz abzufangen – das ist lebenswichtig.
00:07:07Ohne schnelle Fasern fehlt die Geschwindigkeit, um den Fuß rechtzeitig vorzusetzen,
00:07:11und die exzentrische Kraft, um den Sturz abzubremsen.
00:07:14Die Fachliteratur zum Altern betont daher immer wieder, wie wichtig es ist,
00:07:19Kraft und schnelle Fasern über die Jahre zu erhalten. Das ist ein entscheidender Punkt.
00:07:23Oft fragen Leute: „Wie viel davon ist genetisch bedingt? Kann ich meinen Fasertyp ändern?“
00:07:29Die Antwort lautet ganz klar: Ja. „Kann ich das durch Training?“
00:07:34Absolut. Und die nächste Frage ist: „Wie sehr?“ Da sehen wir enorme Unterschiede.
00:07:38In der Regel hat jeder Muskel im Körper einen anderen Anteil an schnellen und langsamen Fasern.
00:07:44Die Wadenmuskulatur (Soleus) besteht zum Beispiel meist zu etwa 80 Prozent aus langsamen Fasern.
00:07:49Der Gastrocnemius (Zwillingswadenmuskel) direkt daneben verhält sich fast umgekehrt.
00:07:53Wenn man die Zehen anzieht und sich der Muskel in der Mitte wölbt – das ist der
00:07:57Gastrocnemius. Er besteht meist zu 80 Prozent aus schnellen und 20 Prozent aus langsamen Fasern.
00:08:02Alles, was gegen die Schwerkraft wirkt oder der Haltung dient, wie die Rückenstrecker,
00:08:07besteht eher aus langsamen Fasern. Explosive Muskeln wie die Beinhinterseite sind eher schnell.
00:08:11Wir machten eine Biopsie am Oberschenkel, der normalerweise eine 50/50-Verteilung hat.
00:08:16Beim Nicht-Sportler war das Ergebnis wie aus dem Lehrbuch: etwa 50 Prozent langsam zuckend,
00:08:22ein gewisser Anteil an schnellen Fasern und etwa 20 Prozent sogenannte
00:08:27Hybridfasern, die typisch für diese Inaktivität sind. Beim Sportler waren es 95 Prozent langsam zuckende Fasern.
00:08:32Das ist extrem deutlich. Von 40 oder 50 Prozent auf 95 Prozent zu kommen,
00:08:38zeigt, dass die physiologische Anpassungsfähigkeit bei entsprechendem Reiz nahezu grenzenlos ist.
00:08:43In diesem Fall waren es 35 Jahre konsequentes Training, wodurch die Muskelmorphologie
00:08:49völlig anders aussah als bei seinem eineiigen Zwilling mit exakt derselben DNA.
00:08:54was completely different than his identical twin with the exact same game

Key Takeaway

Für ein gesundes Altern und den Erhalt der Unabhängigkeit ist eine ausgewogene Kombination aus Ausdauertraining zur Steigerung des VO2max und gezieltem Krafttraining zum Erhalt der schnell zuckenden Muskelfasern unerlässlich.

Highlights

Kombination aus Kraft- und Ausdauertraining ist entscheidend für die langfristige Gesundheit und Funktionalität

Der VO2max-Wert ist ein kritischer Indikator für die Unabhängigkeit im Alter, wobei ein Wert unter 18 Pflegebedürftigkeit signalisiert

Reines Ausdauertraining verbessert zwar Herz-Kreislauf-Marker, schützt jedoch nicht vor dem altersbedingten Abbau der Beinkraft

Studien an eineiigen Zwillingen belegen, dass der Lebensstil die genetische Veranlagung bei der Muskelzusammensetzung massiv überlagern kann

Schnell zuckende Muskelfasern gehen im Alter verloren, wenn sie nicht gezielt durch intensives Krafttraining beansprucht werden

Die Muskulatur besitzt eine enorme Anpassungsfähigkeit, was sich in der Umwandlung von Fasertypen durch jahrzehntelanges Training zeigt

Timeline

Die Bedeutung der Kombination von Kraft und Ausdauer

Der Sprecher führt in die Problematik des Alterns ein, wobei besonders der Rückgang der schnell zuckenden Muskelfasern hervorgehoben wird. Er betont, dass einfaches Laufen nicht ausreicht, um die volle Funktionalität des Körpers im hohen Alter zu erhalten. Stattdessen wird eine synergetische Kombination aus allgemeinem Krafttraining und Ausdauersport empfohlen. Erste Studienergebnisse deuten darauf hin, dass 80- bis 90-Jährige durch lebenslanges Training eine Herz-Kreislauf-Gesundheit erreichen können, die der von jungen Studenten entspricht. Dies legt den Grundstein für die Argumentation, dass körperlicher Verfall kein unvermeidbares Schicksal ist.

VO2max und die Grenze der Unabhängigkeit

In diesem Abschnitt werden die Ergebnisse einer Studie mit schwedischen Skilangläufern vorgestellt, die über 50 bis 60 Jahre aktiv waren. Ein zentraler Messwert ist der VO2max, wobei ein Wert von 18 Millilitern pro Kilogramm als kritische Grenze für ein selbstbestimmtes Leben definiert wird. Während untrainierte Gleichaltrige oft gefährlich nah an dieser Schwelle leben, erreichten die Sportler Werte zwischen 35 und 38. Der Sprecher nutzt die Metapher eines Säbelzahntigers, um zu verdeutlichen, dass diese Senioren fitter sind als manch untrainierter junger Mann. Diese Daten unterstreichen, wie massiv Ausdauersport die kardiovaskuläre Reserve im Alter vergrößern kann.

Die Grenzen des reinen Ausdauersports

Trotz der beeindruckenden Herz-Kreislauf-Werte zeigt der Sprecher eine entscheidende Schwachstelle der reinen Ausdauersportler auf: ihre Beinkraft. Überraschenderweise unterschieden sich die Skilangläufer in puncto Beinkraft und Funktionalität kaum von ihren inaktiven Altersgenossen. Dies beweist, dass Ausdauertraining allein nicht ausreicht, um alle wichtigen Gesundheitsmarker abzudecken, insbesondere solche, die Stürze verhindern. Es wird klargestellt, dass hier wertvolles Potenzial für die ganzheitliche Gesundheit verschenkt wird, wenn das Krafttraining vernachlässigt wird. Der Fokus muss daher auf einer breiteren sportlichen Basis liegen, um die Sterblichkeit effektiv zu senken.

Zwillingsstudie: Genetik vs. Lebensstil

Um den Einfluss der Genetik zu isolieren, untersuchte das Team eineiige Zwillinge mit identischer DNA, von denen einer lebenslang Sport trieb und der andere inaktiv war. Die Tests umfassten eine enorme Bandbreite von MRT-Scans der Muskelmasse bis hin zu Blutanalysen und psychologischen Profilen. Es zeigte sich, dass die reine Muskelmasse bei beiden Zwillingen fast identisch war, der Sportler jedoch deutlich weniger Körperfett besaß. Überraschenderweise schnitt der Nicht-Sportler in einigen Krafttests sogar leicht besser ab, was die spezifische Anpassung des Körpers an Ausdauertraining unterstreicht. Diese Ergebnisse bestätigen die schwedische Studie und zeigen, dass Trainingseffekte die genetische Startposition massiv verändern.

Muskelphysiologie und die Rolle der schnellen Fasern

Der finale Abschnitt befasst sich mit der Anpassungsfähigkeit der Muskelfasern und der Gefahr des Abbaus schnell zuckender Fasern im Alter. Der Sprecher erklärt, dass diese Fasern nur bei hoher Intensität aktiviert werden und entscheidend dafür sind, Stürze rechtzeitig abzufangen. Durch Biopsien wurde nachgewiesen, dass der Ausdauersportler seine Oberschenkelmuskulatur zu 95 Prozent in langsame Fasern umgewandelt hatte, während der Zwilling bei einer 50/50-Verteilung blieb. Dies demonstriert die beinahe grenzenlose Plastizität des menschlichen Körpers über Jahrzehnte hinweg. Abschließend wird betont, dass man durch gezielte Reize die Muskelmorphologie völlig verändern kann, unabhängig von den Genen.

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