Altersverifizierung kommt für Linux...

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00:00:00Anscheinend gibt es ein neues Gesetz in Kalifornien, das von Linux-Distros verlangt, mein Alter zu kennen,
00:00:04es jeder App mitzuteilen, und noch schlimmer: Anderswo werden gerade ähnliche Gesetze entworfen,
00:00:09die genau dasselbe bewirken sollen. Von Windows erwarte ich ja, dass es meine Privatsphäre bei der Installation
00:00:13verletzt, aber nicht von einer Linux-Distro. Da es momentan so viel Verwirrung darüber gibt,
00:00:16was eigentlich los ist, schauen wir uns das Ganze mal genauer an.
00:00:24Ich bin zwar kein Rechtsexperte, aber hier ist die Kurzfassung: Das Gesetz nennt sich der
00:00:29Digital Age Assurance Act und tritt am 1. Januar 2027 in Kraft. Es besagt, dass
00:00:34Betriebssystem-Anbieter Nutzer dazu auffordern müssen, ihr Geburtsdatum oder Alter beim Setup anzugeben.
00:00:38Diese Information wird dann in eine von vier Altersgruppen eingeteilt: unter 13, 13
00:00:44bis unter 16, 16 bis unter 18 und 18 oder älter. Das System muss dann eine Echtzeit-API
00:00:49anbieten, die App-Entwickler beim Download oder Start einer Anwendung abfragen können,
00:00:54um nur die Altersgruppe zu erfahren, nicht das genaue Alter. Die Strafen bei Nichteinhaltung
00:00:59betragen 2.500 $pro betroffenes Kind bei Fahrlässigkeit und bis zu 7.500$ pro Kind
00:01:06bei vorsätzlichen Verstößen. Aber hier kommt der wichtigste und für mich
00:01:09absurdeste Teil: Momentan basiert das alles rein auf Selbstauskunft. Es gibt
00:01:13keine Pflicht für Lichtbildausweise, Gesichtserkennung oder Biometrie. Man tippt einfach
00:01:18sein Alter ein. Ich halte von solchen Verifikationsmethoden zwar gar nichts – sie sind ein massiver
00:01:23Eingriff in die Privatsphäre –, aber mal ehrlich: Was zur Hölle soll dieses Gesetz dann?
00:01:27Glaubt jemand ernsthaft, dass ein 13-Jähriger sein Alter ehrlich angibt? Als ich 13 war,
00:01:32war ich laut meinen Accounts meistens über 100 Jahre alt. Was bringt das Ganze also?
00:01:36Wir haben das bei Social Media und Porno-Seiten versucht, und jetzt gibt es neue Gesetze, die dort den Ausweis fordern.
00:01:41Man verzeihe mir also die Sorge, dass genau das auch hier das Endziel sein wird.
00:01:45Es zeichnet sich ab, dass Gesetzgeber weltweit versuchen, unsere Privatsphäre auszuhöhlen
00:01:50und sie Firmen wie Palantir zu überlassen. Ähnliche Gesetze sind bereits in Colorado,
00:01:54New York und der EU in Arbeit, und es ist immer dieselbe Pauschalausrede,
00:01:58man wolle Kinder schützen, weil sich das so leicht verkaufen lässt. Es ist einfach nur nervig.
00:02:03Noch schlimmer ist, dass man merkt, dass diese Gesetze von Leuten ohne technisches Verständnis
00:02:07geschrieben wurden. Sie hatten beim Entwurf wohl nur Apple und Microsoft im Kopf, denn
00:02:11sie definieren einen Betriebssystem-Anbieter als jede Organisation, die Software
00:02:16für Computer, Mobilgeräte oder andere Allzweck-Rechner entwickelt, lizenziert oder kontrolliert.
00:02:20Das schließt quasi alles ein. Jede Linux-Distro: Ubuntu, Debian, Arch, Fedora –
00:02:26einfach alle. Und eines der größten Probleme dabei – es gibt viele, aber fangen wir an:
00:02:32Die meisten dieser Distros haben gar kein Account-System. Es gibt nur einen komplett lokalen
00:02:36Nutzer. Es gibt keinen Cloud-Account, bei dem man sich anmelden muss, wie bei Apple
00:02:40oder Microsoft. Wie soll man das bei diesen Distros also durchsetzen oder überhaupt wissen,
00:02:44dass jemand eine nutzt? Die Maintainer haben diese Infos gar nicht, da es kein Cloud-Setup gibt.
00:02:48Dazu kommt, dass viele Distros von Indie-Entwicklern und Freiwilligen gepflegt werden,
00:02:53ohne Rechtsabteilung oder Budget. Gegen wen würde man also vorgehen,
00:02:57wenn es in einer dieser Distros einen Verstoß gäbe? Verklagt man dann einen einzelnen
00:03:01Entwickler? An Linux hat beim Schreiben dieses Gesetzes absolut niemand gedacht.
00:03:05Das sieht man auch daran, dass das Gesetz nicht einmal serverseitige Linux-Installationen
00:03:09ausnimmt. Muss jetzt jeder Server, jede VM oder gar jeder Container mein Alter prüfen?
00:03:15Was ist mit meiner smarten Glühbirne, auf der vielleicht Linux läuft? Wie weit
00:03:20geht dieses Gesetz eigentlich? Es ist einfach völlig absurd.
00:03:24Bisher habe ich nur über die Betriebssystem-Seite gesprochen. Schauen wir uns die Apps an:
00:03:28Entwickler sollen diese API beim Installieren oder Öffnen ihrer App nach der
00:03:31Altersgruppe abfragen. Die Definition von “App-Stores” im Gesetz ist aber so vage,
00:03:37dass sie sogar Kommandozeilen-Paketmanager wie apt oder homebrew einschließen könnte.
00:03:41Anscheinend muss ich also bei jeder Paketinstallation mein Alter via API bestätigen.
00:03:46Und das Programm selbst braucht beim Ausführen ebenfalls mein Alter. Dieses Gesetz verlangt
00:03:50scheinbar von jedem App-Entwickler, jedem Store und jedem Betriebssystem,
00:03:55eine Altersverifikation zu implementieren. Das erscheint mir doch ein wenig wahnsinnig.
00:04:02Ich könnte mich noch viel länger darüber auslassen, aber das ist vermutlich nicht gesund.
00:04:05Schauen wir uns lieber an, was andere Linux-Distros und Systeme dazu sagen.
00:04:08Ein Entwickler der Projekte Kicksecure und Whonix hat tatsächlich einen
00:04:12technischen Vorschlag auf der Ubuntu-Mailingliste gepostet. Er schlug ein neues
00:04:16D-Bus-Interface vor, das jede Linux-Distribution übernehmen könnte. Die Idee ist,
00:04:21Altersdaten in Dateien zu speichern, die nur “root” gehören und für normale Apps nicht lesbar sind.
00:04:26So wird nur das Minimum geteilt, das das Gesetz verlangt. Das ist eigentlich ein
00:04:31recht datenschutzfreundlicher Ansatz, aber es war eben nur ein Vorschlag. Canonical,
00:04:35die Firma hinter Ubuntu, ist da eher vorsichtig. Der VP of Engineering sagte,
00:04:40dass sie das Gesetz gerade rechtlich prüfen und noch keine konkreten Pläne haben,
00:04:44wie oder ob sie überhaupt etwas ändern werden. Einen drastischeren Weg geht
00:04:48MidnightBSD: Sie haben ihre Lizenz so angepasst, dass Nutzer aus Kalifornien
00:04:52komplett ausgeschlossen sind, bis sie einen besseren Plan haben. Ich finde es schon
00:04:57fast wieder witzig, dass es jetzt eine Lizenz gibt, die speziell Kalifornien ausschließt.
00:05:01Insgesamt ist das eine extrem nervige Situation: Das Gesetz ist vage,
00:05:06technisch unsinnig und bei der Hälfte der betroffenen Dinge praktisch nicht durchsetzbar.
00:05:10Zudem öffnet es Tür und Tor für noch schlimmere Gesetze in der Zukunft.
00:05:14Falls ihr also aus Kalifornien, Colorado oder anderen Orten kommt, wo so etwas geplant ist,
00:05:19kontaktiert eure Abgeordneten und versucht, das zu korrigieren. Schreibt mir eure Meinung
00:05:22zu diesem Gesetz in die Kommentare – oder ob ich vielleicht einfach nur durchdrehe.
00:05:26Und wenn ihr schon dabei seid: Abo dalassen, und wie immer – bis zum nächsten Mal.
00:05:30dort, abonniert den Kanal und wie immer, wir sehen uns im nächsten Video.

Key Takeaway

Das geplante kalifornische Gesetz zur Altersverifizierung stellt Linux-Distributionen vor massive rechtliche und technische Herausforderungen, da es die Privatsphäre gefährdet und die dezentrale Natur von Open-Source-Software ignoriert.

Highlights

Das neue kalifornische Gesetz "Digital Age Assurance Act" tritt am 1. Januar 2027 in Kraft und fordert Altersangaben bei der Betriebssystem-Einrichtung.

Betriebssystem-Anbieter müssen eine Echtzeit-API bereitstellen, über die Apps die Altersgruppe eines Nutzers abfragen können.

Kritik an der Wirksamkeit, da das System momentan nur auf unüberprüften Selbstauskünften der Nutzer basiert.

Das Gesetz ist technisch vage formuliert und betrifft potenziell alle Linux-Distributionen, Paketmanager und sogar Server oder IoT-Geräte.

Kleine Open-Source-Projekte und Individualentwickler könnten durch hohe Bußgelder bei Nichteinhaltung existenziell bedroht sein.

Erste Reaktionen aus der Linux-Community reichen von technischen Implementierungsvorschlägen bis hin zum Ausschluss kalifornischer Nutzer durch Lizenzänderungen.

Timeline

Einführung in die neue Gesetzgebung

Der Sprecher thematisiert ein neues Gesetz in Kalifornien, welches Linux-Distributionen zur Altersverifizierung ihrer Nutzer zwingen will. Er äußert die Sorge, dass diese Regelung die Privatsphäre massiv verletzt und bald auch in anderen Regionen Schule machen könnte. Während man ein solches Verhalten von Windows gewohnt sei, stelle dies für die Linux-Welt einen Tabubruch dar. Es herrscht derzeit viel Verwirrung in der Community darüber, was genau gefordert wird. Ziel dieses Abschnitts ist es, das Bewusstsein für die drohende Änderung des digitalen Ökosystems zu schärfen.

Details des Digital Age Assurance Act

In diesem Teil werden die konkreten Anforderungen des Gesetzes erläutert, das ab 2027 greifen soll. Nutzer müssen ihr Alter angeben, welches dann in vier spezifische Altersgruppen kategorisiert und über eine API an Apps kommuniziert wird. Der Sprecher kritisiert, dass das System auf reiner Selbstauskunft basiert, was es technisch wirkungslos gegen Schummeleien macht. Er befürchtet jedoch, dass dies nur der erste Schritt hin zu einer strengen Ausweispflicht oder biometrischen Erfassung ist. Die angedrohten Strafen bei Verstößen sind mit bis zu 7.500 $ pro betroffenes Kind extrem hoch angesetzt.

Probleme für das Linux-Ökosystem

Hier wird aufgezeigt, warum das Gesetz an der Realität von Open-Source-Software vorbeigeht. Da Linux-Systeme oft keine zentralen Cloud-Accounts nutzen und von Freiwilligen entwickelt werden, ist eine Durchsetzung kaum möglich. Es bleibt unklar, wer rechtlich haftet, wenn eine von Freiwilligen gepflegte Distribution die Vorgaben nicht erfüllt. Zudem umfasst die Definition von Computern im Gesetz fälschlicherweise auch Server, VMs und sogar smarte Haushaltsgeräte. Dies verdeutlicht, dass die Gesetzgeber kein technisches Verständnis für die Vielfalt der Betriebssystem-Landschaft hatten.

Auswirkungen auf Apps und Paketmanager

Der Fokus verlagert sich auf die Anwendungsebene, wo Entwickler verpflichtet werden, die Alters-API beim Start oder Download abzufragen. Die vage Definition von "App-Stores" könnte laut Sprecher dazu führen, dass sogar klassische Kommandozeilen-Tools wie apt oder homebrew betroffen sind. Das würde bedeuten, dass jede kleinste Paketinstallation eine Altersbestätigung erfordern könnte. Der Sprecher bezeichnet diesen bürokratischen und technischen Aufwand für jeden einzelnen Entwickler als schlichtweg wahnsinnig. Es wird gewarnt, dass dies die gesamte Softwareverteilung unter Linux grundlegend behindern könnte.

Reaktionen der Community und Fazit

Abschließend werden verschiedene Lösungsansätze aus der Community vorgestellt, wie etwa ein datenschutzfreundliches D-Bus-Interface für lokale Altersdaten. Große Akteure wie Canonical prüfen die Lage noch rechtlich, während kleinere Projekte wie MidnightBSD radikale Wege gehen und kalifornische Nutzer per Lizenz ausschließen. Der Sprecher fasst zusammen, dass das Gesetz technisch unsinnig und in vielen Bereichen faktisch nicht durchsetzbar ist. Er ruft die Zuschauer dazu auf, politisch aktiv zu werden und ihre Abgeordneten zu kontaktieren. Das Video endet mit dem gewohnten Appell zur Interaktion und einem Ausblick auf kommende Inhalte.

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